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Zwischen Recht und Ethik: Sterbehilfe-Debatte nimmt Fahrt auf

Berlin (dpa) ,

Die Frage, wie ein Mensch aus dem Leben geht, ist eine ethische. Sie ist aber auch eine politische, weil der Staat die Gesetze zur Sterbehilfe macht. Eine Initiative warnt nun davor, sie zu verschärfen. Auch Prominente bekennen sich dazu.

Plakate in Großstädten versprechen oft ein besseres Leben - in Form von neuen Limonaden, Automodellen oder Urlaubsreisen.

Im Vergleich dazu ist die Kampagne, die die Giordano-Bruno-Stiftung und die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) seit einigen Tagen in Berlin und Frankfurt fährt, ein Bruch. Es geht um den Tod.

Prominente wie der Liedermacher Konstantin Wecker, der Komiker Bernhard Hoëcker oder "Tatort"-Kommissarin Eva Mattes haben sich für Plakate ablichten lassen und fordern "Mein Ende gehört mir!"

Die Plakate sind Teil einer Großdebatte, die an Fahrt gewinnt und wohl bald im Bundestag ihren Höhepunkt finden wird. Es geht darum, neue Regeln für die Sterbehilfe zu vereinbaren. Bereits absehbar ist, dass sich die Meinungslager quer durch alle Parteien ziehen.

Bislang ist es in Deutschland nicht strafbar, ein Mittel zur Selbsttötung zur Verfügung zu stellen, mit dem ein Kranker sein Leben beenden kann. Die Ärzteschaft hat sich allerdings in ihrem Berufsrecht das Verbot auferlegt, Hilfe zur Selbsttötung zu leisten.

Die Bündnis befürchtet, dass die Straffreiheit bei einer Reform auf der Strecke bleiben könnte. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte sich gegen die ärztlich assistierte Selbsttötung ausgesprochen.

"Deutschland würde damit nicht nur dem Geist der Zeit widersprechen sondern in mittelalterliche Zustände zurückfallen", sagt der Mediziner Uwe-Christian Arnold, der ein Buch über seine Erfahrungen als Sterbehelfer geschrieben hat. Und der oft zitierte Hippokratische Eid sei fehlplatziert in der Diskussion. "Ein 2000 Jahre alter Eid ist kaum geeignet, moderne ärztliche Ethik zu regeln."

Hintergrund der Debatte sei natürlich, dass die medizinische Technik in den vergangenen Jahren große Sprünge nach vorne gemacht habe, sagte der Jurist Eric Hilgendorf von der Universität Würzburg, der die Kampagne ebenfalls begleitet. Menschen, die früher rasch gestorben wären, könnten heute lange am Leben erhalten werden. "Recht und Ethik sind auf diese Situation nicht richtig vorbereitet."

Überschattet wird der Tag, an dem die Kampagne ihre Argumente aufzeigen will, vom Tod eines ihrer Unterstützer, des Ex-MDR-Intendanten Udo Reiter. "Wir verlieren einen mutigen Mitstreiter für das Selbstbestimmungsrecht bis zum Lebensende", erklärt Elke Baezner, Präsidentin der DGHS. Laut Polizei nahm sich Reiter das Leben. 

Bis es zur Abstimmung im Bundestag kommt, bleibt noch Zeit, für die eigene Position zu werben. Und sich mit der Gegenposition auseinanderzusetzen - auch was die Präsentation angeht. "Töten darf in unserer Gesellschaft niemals die letzte Hilfe sein", kritisiert etwa Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

"Ein solch sensibles Thema sollten weder Sterbehelfer noch Lebensschützer auf die Litfaßsäulen kleben."