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ORGANISATIONEN FORDERN MEHR SCHUTZ FÜR KINDER VOR GEWALT

Genf (dpa),

Fast die Hälfte aller Kinder und Jugendliche weltweit erleidet physische und psychische Gewalt. Ausmaß und Folgen werden von Behörden oft unterschätzt, beklagen internationale Organisationen.

Nahezu eine Milliarde Kinder und Jugendliche leiden nach UN-Angaben weltweit unter Gewalt. Jedes vierte Kind ist einem am Dienstag veröffentlichten Bericht zufolge physischen Misshandlungen ausgesetzt, fast jedes fünfte Mädchen wird mindestens einmal im Leben sexuell missbraucht. Zudem zählten Tötungsdelikte zu den fünf häufigsten Todesursachen bei Heranwachsenden, erklärten UN-Experten unter Hinweis auf verschiedene Studien. Von Gewalttaten sei nahezu die Hälfte der 2,2 Milliarden Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren betroffen - die meisten von ihnen in den ärmeren Ländern. 

Viele Regierungen und Behörden unterschätzten das Ausmaß und die Folgen der Gewalt gegen Kinder immer noch, beklagten die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Kinderhilfswerk (Unicef) sowie die Weltbank und mehrere Partnerorganisationen. Die jährlichen Folgekosten für medizinische Versorgung und Sozialleistungen gingen in die Milliarden. 

Gemeinsam riefen sie zur stärkeren Bekämpfung der Gewalt gegen Kinder auf. „Wir sind hier um Mobbing zu stoppen, Ausnutzung, und alle anderen Übergriffe“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der offiziellen Vorstellung des Berichts in New York. „Wir sind hier um all diese Bedrohungen zu stoppen, zu Hause, in den Schulen, auf den Straßen und im Internet.“ Der Bericht sei ein „Meilenstein im Kampf gegen Gewalt gegen Kinder“, sagte Ban. „Lasst uns zusammenarbeiten, um Frieden und Sicherheit für alle Kinder auf der Welt zu schaffen, jetzt und für kommende Generationen.“

Der Bericht gibt dazu Empfehlungen für staatliche Maßnahmen. Vor allem müsse die Einhaltung von Gesetzen zum Schutz von Kindern erreicht werden. Selbst in reicheren Ländern erfassten die Behörden oft höchstens zehn Prozent der dort an Minderjährigen verübten Gewalttaten, erklärte WHO-Experte Christopher Mikton bei einer Pressekonferenz in Genf. 

Erziehungsberechtigten sollte Gewalt zur Bestrafung von Kindern grundsätzlich verboten werden, damit langfristig ein Wandel gesellschaftlicher Normen erreicht werden könne, heißt es in dem Bericht. Gesetze allein reichten allerdings nicht aus. Hilfreich seien zum Beispiel auch Kurse für gewaltfreie Erziehung, wie sie in Kenia, Myanmar, Südafrika und den USA erfolgreich gezeigt hätten.

Gute Erfahrungen gebe es in einigen Entwicklungsländern mit finanziellen Beihilfen für arme Familien, die an die Bedingung geknüpft sind, dass ihre Kinder die Schule besuchen. 

Zu den extremen Formen der Gewalt gegen Kinder zählen die UN Verbrechen wie die Zwangsprostitution sowie die Rekrutierung von Minderjährigen als Soldaten. Studien zeigten, dass Gewalt die Betroffenen oft ein Leben lang präge. Sie hätten ein höheres Krankheitsrisiko, neigten eher zu Alkohol- und Drogenmissbrauch, litten öfter unter Depressionen und begingen eher Selbstmord, als Menschen, die ohne Gewalterfahrung aufwachsen.