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Foodwatch: Präventionsgesetz macht zu wenig gegen Fehlernährung

Berlin (dpa),

Das neue Präventionsgesetz soll mehr Vorsorge für Versicherte bringen. Dennoch erntet Gesundheitsminister Gröhe viel Kritik für seinen Entwurf.

Das Präventionsgesetz von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geht nach Ansicht der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch nicht entschieden genug gegen das Problem ungesunder Ernährung vor. In dem Gesetz müssten die Mitverantwortung der Lebensmittelwirtschaft für den Anstieg von Übergewicht, Adipositas (Fettsucht) und chronischen Krankheiten eindeutig festgehalten und Gegenmaßnahmen verankert werden, fordert die Organisation in einer Stellungnahme zu dem Gesetz, mit der sich der Gesundheitsausschuss an diesem Mittwoch (14.00 Uhr) befasst. 

Die dramatische Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Erwachsenen in den vergangenen 20 Jahren liege vor allem auch daran, dass "jederzeit und überall" kalorienreiche Lebensmittel verfügbar seien. Die Lebensmittelwirtschaft versuche dabei, die Aufmerksamkeit von Kindern auf jene Produkte zu lenken, "die die größte Profitabilität versprechen: Zuckerhaltige Getränke, Süßwaren und Snacks". Sogar bei der Schulverpflegung bekämen Kinder zu viel Fleisch, zu viel Süßes und zu wenig Obst und Gemüse, so Foodwatch.

Fehlernährung und der damit verbundene Anstieg chronischer Krankheiten belastete das Gesundheitswesen in erheblichem Maße.

Allein durch Adipositas entstünden in Deutschland etwa 20 Milliarden Euro zusätzliche Kosten, beklagte Foodwatch. Gröhes Gesetz, das unter anderem höhere Ausgaben für Gesundheitsförderung und Prävention vorsieht, war am 20. März in erster Lesung im Bundestag behandelt worden. 

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) begrüßte vor allem die Stärkung der Prävention in Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen und Betrieben.

Völlig unverständlich sei aber, dass Private Krankenversicherung sowie Länder und Kommunen keinen adäquaten finanziellen Anteil leisten müssten. Die Gesetzliche Krankenversicherung gab 2013 den Angaben zufolge 267 Millionen Euro für Präventionsmaßnahmen aus und erreichte damit mehr als fünf Millionen Menschen. 

Nach Ansicht des Sozialverbandes VdK bleibt die Regierung weit hinter dem Ziel einer umfassenden Gesundheitsvorsorge zurück. Bedürfnisse älterer Menschen blieben unberücksichtigt, kritisierte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Im jetzigen Entwurf liege der Schwerpunkt auf Angeboten am Arbeitsplatz oder in Schulen und Kitas.

"Gesundheitlich schlechter gestellte Bevölkerungsgruppen wie Langzeitarbeitslose, Ältere oder Menschen mit Behinderung bleiben außen vor." 

Die Kinder- und Jugendärzte kritisierten, zu der Anhörung nicht eingeladen worden zu sein. Ihr Berufsverband BVKJ verlangt angesichts von deutlich über 1000 Masern-Erkrankungen in den ersten vier Monaten des Jahres - darunter inzwischen über 100 besonders gefährdete Säuglinge - unter anderem ein "überzeugendes und nachhaltiges Impfkonzept". Damit solle eine Impfquote von 95 Prozent sichergestellt werden können.