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Fachkräfte aus Fernost sollen Pflege-Notstand in Heimen lösen

Hannover (dpa),

Zurzeit gibt es bundesweit etwa 2,4 Millionen pflegebedürftige Menschen, 2030 sollen es bereits 3,4 Millionen sein. Seniorenheime benötigen dringend qualifiziertes Personal. Fündig werden sie in Vietnam oder China.

Für das Seniorenheim Eilenriedestift in Hannover sind die vier Auszubildenden aus Vietnam ein Glücksgriff. "Sie haben eine große Wertschätzung für alte Menschen, sind sehr geduldig und machen ihre Arbeit mit Stolz", schwärmt Direktorin Susanne Hartsuiker. Vor einem halben Jahr sind die zwei jungen Frauen und zwei jungen Männer in Niedersachsen eingetroffen. "Ihr Deutsch hat sich inzwischen rasant verbessert", erzählt Hartsuiker. Weil sich die Bewohner so sehr für die neuen Mitarbeiter aus Fernost interessieren, wurde sogar ein Vortrag über Vietnam im Heim organisiert.

Rund 30 000 Fachkräfte fehlen in deutschen Pflegeheimen, dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung zufolge werden bis 2030 mehr als 94 000 Fachkräfte und fast 200 000 Hilfskräfte zusätzlich benötigt. Wegen der geburtenschwachen Jahrgänge gibt es zu wenig geeignete Bewerber. "Egal wie groß die Anstrengungen sind, die wir unternehmen, wir können den Bedarf durch Bewerber aus Deutschland nicht alleine decken", sagt Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbands Pflege. Ist Zuwanderung ein Ausweg aus der Misere?

Im vergangenen September trafen 100 Vietnamesen in Deutschland ein, um sich in zwei Jahren zu Altenpflegern ausbilden zu lassen. Alle hatten bereits einen Bachelor-Studienabschluss als Krankenpfleger in der Tasche. Das Projekt der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. "Die Vietnamesen sehen die Ausbildung hier als Lebenschance", betont Heimleiterin Hartsuiker.

Die Pflegebranche setzt ihre Hoffnungen zunehmend auf Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern. Zum einen kämpfen England oder Skandinavien selbst mit dem demografischen Wandel und konkurrieren mit Deutschland bei der Anwerbung von Pflegern. Zum anderen haben manche Einrichtungen schlechte Erfahrungen mit Krankenpflegerinnen aus Süd- oder Osteuropa gemacht. "Die Abwanderung zurück ist groß", berichtet Greiner. Zum Beispiel seien Spanierinnen mit einer falschen Vorstellung des Berufsalltags gekommen.

Gesundheitswissenschaftlerin Monika Habermann sieht den Grund für die Abwanderung im schlechten Ansehen der Pflege in Deutschland. "In anderen EU-Ländern ist das Image weit besser, die Pflegekräfte haben alle studiert und tragen mehr Verantwortung", sagt die Professorin von der Hochschule Bremen. In der Summe sei der Job in Deutschland für sehr viele Europäer nicht attraktiv genug.

Der Arbeitgeberverband Pflege hat vor drei Jahren Kontakte nach China geknüpft, um fertig ausgebildete Fachkräfte anzuwerben. Ziel dieses Pilotprojekts ist es, bis Ende des Jahres 150 Pflegerinnen und Pfleger aus China nach Hessen, Hamburg und Baden-Württemberg zu holen. In einem Seniorenstift in Frankfurt am Main arbeiten seit Januar die ersten fünf Chinesinnen, die sich zuvor acht Monate lang intensiv auf die deutsche Sprache und Kultur vorbereitet haben.

Ein großes Hindernis für die Migranten ist die Bürokratie: "Es gibt keine zentrale Stelle, die ausländische Abschlüsse anerkennt", sagt Verbandspräsident Greiner. So könne es rechtlich Schwierigkeiten geben, wenn eine im Ausland ausgebildete Altenpflegerin beispielsweise mit einem in Niedersachsen anerkannten Abschluss nach Hessen wechseln wolle.

Studien aus den USA belegen, dass zugewanderte Krankenpflegerinnen rund drei bis vier Jahre benötigen, bis sie sich wirklich angekommen fühlen. "Die Phase der Einarbeitung darf auch wegen der vielen medizinischen Fachbegriffe nicht zu kurz sein", warnt Gesundheitswissenschaftlerin Habermann. Notwendig sei zudem eine Unterstützung in Alltagsdingen.

Die Deutsche Seniorenstift Gesellschaft (DSG), die bundesweit 18 Pflegeheime betreibt, hat beispielsweise eine Integrationsbeauftragte eingestellt. Sie kümmert sich vor allem um die elf aus Spanien und Ungarn angeworbenen Pflegekräfte. "Ausländische Fachkräfte sind keine billige Lösung", betont DSG-Geschäftsführer Frank Steinhoff.