Zurück

Auszeichnungen


Zurück

APOLLON Dekanat


Zurück

APOLLON Projekte


Zurück

Hochschulverlag


Persönliche Studienberatung
0800 / 342 76 55
gebührenfrei: Mo.-Fr. 8-18 Uhr
Persönliche Studienberatung
0800 / 342 76 55
gebührenfrei: Mo.-Fr. 8-18 Uhr

Ein Baum zur Bewältigung der Trauer - Erinnerungswald in Koblenz

Koblenz (dpa),

Rund 2000 Kinder erkranken in Deutschland jährlich an Krebs, ein Viertel von ihnen überlebt nicht. Auch daran erinnert der Weltkrebstag am Dienstag. In Koblenz wächst jetzt ein Erinnerungswald für die toten Mädchen und Jungen.

Wenn Karl Hayn nachdenklich oder bedrückt ist, dann leint er seinen Hund an und besucht Ulrikes Baum. Fünf Jahre alt war seine Tochter, als sie 1988 an Leukämie starb. "Die Trauer geht nie weg", sagt der Vater. Ende vergangenen Jahres hat er eine Hainbuche für Ulrike gepflanzt, im Koblenzer Erinnerungswald der Elterninitiative krebskranker Kinder. Rund 15 Bäume stehen schon auf einem Gelände im Stadtwald und erinnern an Julia, Alexander und andere Kinder, die viel zu früh sterben mussten.

"Es hat uns überrascht, wie viele Eltern uns angesprochen haben, deren Kinder schon länger verstorben sind", sagt Vorstandsmitglied Reinhard Feldkirchner. Hayn vergleicht die Trauer um seine Tochter mit einem großen Loch, das sich nach ihrem Tod aufgetan hat. "Das Loch geht zwar langsam zu, so dass man nicht mehr hineinfällt", erzählt er. "Aber es geht nie wieder ganz zu." Der 65-Jährige, der gerade in Rente gegangen ist, hat gelernt, mit seinem Schmerz umzugehen. Neben der Hainbuche und der schwarzen Schiefertafel mit Ulrikes Namen fühlt er sich seiner verstorbenen Tochter nahe.

"Einen Baum für das verstorbene Kind zu pflanzen, kann ein Teil der Trauerbewältigung sein", meint Corina Aguilar-Raab, Mitarbeiterin des Zentrums für psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg. "Der Baum wird zu einem Symbol, dass das Leben nicht vorbei ist, sondern etwas weiterwächst", sagt die Psychologin.

Besonders Geschwisterkindern könne der Erinnerungswald näher sein als das Grab. "Kinder gehen je nach Alter und kognitivem Entwicklungsstand anders mit dem Tod und der Trauer um, sie haben einen viel stärkeren Bezug zu natürlichen Prozessen", sagt Aguilar-Raab. Aber auch Elternteile wählten oft unterschiedliche Strategien, um mit dem Tod fertig zu werden. Häufig wollten Frauen über den Verlust reden, Männer zögen sich zurück: "Viele Ehen zerbrechen daran."

Hayn berichtet, dass er schon darüber nachdenke, was aus Ulrike geworden wäre - ob sie studiert hätte, verheiratet wäre, Kinder hätte. Diese Gedanken beschäftigen auch Helma Kutzner, die Gründerin der Elterninitiative krebskranker Kinder. Es war ihre Art, den Schmerz über den Leukämietod ihrer zweijährigen Tochter zu bewältigen.

Zurzeit plant sie die Feier zum 25-jährigen Bestehen in diesem Jahr. 300 Familien mit krebskranken Kindern haben sie und andere Ehrenamtliche inzwischen betreut, von vielen weiß sie noch die Namen.

"Das Highlight ist es, zu erleben, wenn aus den kranken Kindern von damals Frauen geworden sind, die selbst Kinder haben", sagt Kutzner.

Dieser Wunsch geht nicht immer in Erfüllung. Rund 15 neu an Krebs erkrankte Kinder und ihre Familien betreut die Initiative jährlich im Koblenzer Klinikum Kemperhof. "Die Krebserkrankungen bei Kindern werden wie bei den Erwachsenen immer mehr, aber die Therapieansätze werden auch besser", sagt Kutzner.

Deutschlandweit erkranken laut Deutscher Kinderkrebsstiftung pro Jahr rund 2000 Kinder bis 16 Jahren. Auch daran erinnert der Weltkrebstag an diesem Dienstag. Die Heilungsraten seien sehr unterschiedlich, etwa bei Leukämie mit 90 Prozent deutlich besser als bei Hirntumoren mit 50 Prozent, sagt Stiftungssprecher Klaus Riddering. "Drei Viertel aller Kinder werden wieder gesund."

Den Eltern der jungen Krebspatienten im Koblenzer Kemperhof bietet die Initiative eine Wohnung an und finanziert eine Lehrerin, eine Erzieherin und eine Krankenschwester, die die erkrankten Kinder und ihre Familien begleiten. "Und wir erfüllen den Kindern Wünsche - manchmal sind es ihre letzten", erzählt Feldkirchner.

Im Oktober 2013 haben Kutzner und andere Ehrenamtliche den ersten Baum im Koblenzer Erinnerungswald gepflanzt. Zu der Idee inspiriert habe den Vorstand eine Erinnerungswiese des Fördervereins für Tumor- und Leukämiekranke Kinder in Mainz, erzählt sie. Bei den Ämtern hätten sie viel Unterstützung bekommen, zumal sie dank einer Erbschaft für alle Kosten aufkommen konnten. Der zuständige Förster vom Koblenzer Stadtwald, Marc Brombach, hat sich vorher im Rhein-Sieg-Kreis für einen Friedwald engagiert. "Ich konnte dort ansetzen, wo ich in meiner alten Heimat aufgehört habe."

Jedes Jahr an einem Herbsttag soll der Wald größer werden. Die Eltern können aus verschiedenen Baumsorten wie Eiche, Buche und Wildkirsche auswählen und eine Schiefertafel gestalten. Kerzen, Engel und Fotos sind nicht erlaubt. "Der Wald ist etwas Lebendiges, eine Verbindung von der Erde zum Himmel und kein Friedhof", sagt Kutzner.