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Bischöfin zu Jolie-OP: Menschen müssen sich der Sterblichkeit stellen

Magdeburg (dpa),

Mit vorsorglichen Operationen wie der Brustamputation von Angelina Jolie kann man der Vergänglichkeit nicht ausweichen, sagt eine Bischöfin. Sie sieht im Wissen um gesundheitliche Risiken eine steigende Verantwortung und eine große Last.

Die einzige Landesbischöfin innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland, Ilse Junkermann (55), hat Respekt vor der Entscheidung der Schauspielerin Angelina Jolie (37), sich die Brüste amputieren zu lassen. Sie selbst, die der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vorsteht, hätte für sich jedoch anders entschieden, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Junkermann plädiert dafür, sich der eigenen Vergänglichkeit zu stellen.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als sie von der Entscheidung Angelina Jolies für eine Brustamputation gehört haben?

Ilse Junkermann: "Ich bin sehr erschrocken und habe gedacht, wie kann man sowas nur machen, sich freiwillig verstümmeln aus Angst. Für mich wäre es eine Verstümmelung. Dann habe ich aber gelesen, dass sie ihre Mutter hat sterben sehen und für sie auch die hohe Wahrscheinlichkeit besteht, selbst an Brustkrebs zu erkranken. Da hat natürlich jeder Respekt vor ihrer Entscheidung. Die hat sie sicher gut überlegt. Aber ich würde mich nicht so entscheiden. Und wenn sie mich gefragt hätte, würde ich sagen: Stell dich lieber dem, dass du der Vergänglichkeit, der Sterblichkeit, der Möglichkeit, dass du krank wirst, nicht ausweichen kannst. Dem muss sich jeder stellen. Da würde mir eine Amputation nicht helfen."

Ärzte sagen, mit der Operation könne das Brustkrebsrisiko erheblich gesenkt werden.

Ilse Junkermann: "Dass ich sterblich bin, dass ich vergänglich bin, dass ich krank werden kann, dem gehe ich damit nicht aus dem Weg. Nur dieser Erkrankung vielleicht."

Ist es aus Ihrer Sicht legitim, dass jeder durch genetische Untersuchungen erfahren kann, welche Risiken er in sich trägt?

Ilse Junkermann: "Das finde ich legitim. Die Frage ist, was mache ich damit. Mit dem Wissen steigt die Verantwortung. Und mit der Verantwortung stellt sich die Frage, welches ist die richtige Entscheidung. Ich weiß ja nicht im Voraus, ob es die richtige Entscheidung ist und ob ich damit das, was ich erreichen will - nämlich damit der Krankheit aus dem Weg zu gehen - tatsächlich erreiche. Die Nebenwirkungen und Folgen kann ich nicht abschätzen. Das bedeutet: Mehr Wissen ist nicht mehr Macht. Ich habe es nicht besser in der Hand, sondern ich habe mehr Verantwortung und es ist eine größere Last, mit der es umzugehen gilt.

Für mich ist die Grundfrage: Welches Bild vom Leben haben wir? Ist dahinter das Bild, es gibt ein unbeschädigtes Leben oder sehen wir das Leben so wie es ist? Es gehört zum Leben, dass ich krank werden kann. Das Leben ist vergänglich, es kann Schaden nehmen und wird am Ende Schaden nehmen, denn wir werden sterben."