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BARMER: HOHES SPARPOTENZIAL BEI BIOTECHNOLOGISCHEN ARZNEIMITTELN

Berlin (dpa),

Bio-Arzneimittel sind teuer. Nun fällt für die ersten der Patentschutz. Die Chancen für Patienten steigen, an billigere Nachahmerprodukte zu kommen - wenn die Ärzte mitmachen.

Durch eine stärkere Nutzung von Nachahmerpräparaten biotechnologisch hergestellter Arzneimittel lassen sich nach Ansicht der Barmer GEK Milliarden einsparen. Dazu müssten allerdings die verschreibenden Ärzte besser über diese sogenannten Biosimilars aufgeklärt werden. In den nächsten fünf Jahren könnten durch solche Nachahmerpräparate die Ausgaben für Arzneimittel um mehr als vier Milliarden Euro gesenkt werden. Das geht aus dem Arzneimittelreport 2016 der Barmer GEK hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. 

Bio-Arzneien werden aus lebenden Organismen, oft gentechnisch veränderten Zellen, Bakterien oder Hefen gewonnen. Sie ersetzen nicht nur körpereigene Substanzen, die der Körper nicht mehr produzieren kann, sondern helfen auch etwa Rheuma. Die Medikamente sind aber in der Regel sehr teuer.

Die Ersatzkasse forderte Ärzte auf, die Einsparmöglichkeit besser zu nutzen. Ein Biosimilar ist im Schnitt etwa 25 Prozent günstiger als das Originalpräparat, also das entsprechende Referenzbiologikum.

Einige der umsatzstärksten biotechnologisch hergestellten Medikamente haben kürzlich ihren Patentschutz verloren oder verlieren ihn in Kürze. Damit steigen die Chancen von Patienten, besser an hochwertige Medikamente zu kommen. 

Der Pharmaverband Pro Generika, der vor allem Nachahmerprodukte herstellende Unternehmen vertritt, forderte bereits Anfang des Jahres den Gesetzgeber auf, den Arzneimittelmarkt stärker für Biosimilars zu öffnen. In der großen Koalition wird laut Barmer GEK inzwischen über entsprechende Schritte nachgedacht. 

Allein bei der Barmer GEK lasse sich in den nächsten fünf Jahren durch eine konsequente Verschreibung von Biosimilars eine halbe Milliarde Euro einsparen. Die Versorgungsqualität leide durch die Nachahmerprodukte nicht, sagte der Vorstandsvorsitzende der Ersatzkasse, Christoph Straub. Und die frei werdenden Mittel könnten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für andere innovative Medikamente verwendet werden. 

Ob ein Patient ein Biosimilar erhält, hängt nicht unwesentlich davon ab, wo er zum Arzt geht. Denn die Biosimilarquoten differieren je nach Kassenärztlicher Vereinigung um fast 100 Prozent. Während die Ärzte in Bremen in 54,2 Prozent der Fälle Biosimilars verordnen, sind es im Saarland nur 27,4 Prozent. Medizinisch lassen sich diese enormen regionalen Differenzen nicht erklären, so der Report. 

Biopharmazeutika, gentechnisch hergestellte Arzneimittel, verursachen bei der Barmer GEK gut 21 Prozent aller Arzneimittelkosten. Dem Report zufolge sind die Ausgaben für solche Präparate zwischen 2010 und 2015 um mehr als 40 Prozent gestiegen.

Die Fertigarzneimittelausgaben für Barmer-Versicherte stiegen 2015 insgesamt um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 4,62 Milliarden Euro. Das entspricht 510,62 Euro je Versicherten, wobei für Frauen der Durchschnitt bei 520,17 Euro lag, der für Männer bei 497,74 Euro.

Dabei entfallen auf 2,9 Prozent der Barmer-Versicherten 50 Prozent der Arzneimittelausgaben. 2010 entfiel dieser Anteil auf 4,6 Prozent der Versicherten.