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Talentscout für Flüchtlinge - "So schnell wie möglich Arbeit"

Köln (dpa),

Arbeitsvermittler Michael Strucken ist auf Asylbewerber spezialisiert. Seine Erfahrung: Die meisten sind ausgebildet und wollen unbedingt arbeiten. Dennoch geht die Vermittlung nicht so schnell wie gedacht.

Bundesagentur für Arbeit Köln, 12. Stock. Er komme aus Alexandria, berichtet der schwarzhaarige junge Mann etwas stockend. "Ah, Alexandria!", sagt Arbeitsvermittler Michael Strucken. "Das ist ja eine ganz alte Stadt." Sofort hellt sich das Gesicht des jungen Mannes auf: "Für Ägypten gar nicht mal so", sagt er und lächelt. "Wir haben noch viel ältere Städte!" 

Es muss eine Herausforderung sein, sich auf Deutschland einzulassen, wenn man sein bisheriges Leben in Ägypten verbracht hat. Und doch ist der 22-Jährige fest entschlossen dazu. Nach zwei Monaten spricht er bereits ganz gut Deutsch. Und er will mehr - nämlich möglichst bald arbeiten gehen in seinem erlernten Beruf als Schweißer. Falls das nicht geht: "Ich habe in Ägypten auch als Fahrer und Automechaniker gearbeitet." 

Mit Leuten wie ihm hat Strucken oft zu tun. Er ist auf Asylsuchende spezialisiert. Gerade hat die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit mitgeteilt, 32 solcher Talentscouts zusätzlich einzustellen. Strucken war einer der ersten - er begann vor einem Jahr. Der promovierte Theologe hat in Südamerika und Israel gearbeitet und war mehrere Jahre für Entwicklungsorganisationen tätig.

Anfangs ist er viel durch die Flüchtlingsheime gezogen, hatte Sprechstunden bei der Ausländerbehörde. Inzwischen ist das nicht mehr nötig - seine Klienten kommen zu ihm. Es hat sich rumgesprochen: "Für die meisten ist es schrecklich, zunächst mal zum Nichtstun verurteilt zu sein", ist seine Erfahrung. "Die sind hochmotiviert, so schnell wie möglich Arbeit zu finden."

Bisher gibt es zwei Bedingungen, damit Strucken aktiv werden kann: Die Bewerber müssen aus einem Land kommen, das die Genehmigung ihres Asylantrags wahrscheinlich macht: Afghanistan, Ägypten, Eritrea, Irak, Iran, Pakistan, Somalia, Sri Lanka oder Syrien. Und außerdem müssen sie eine abgeschlossene Schulausbildung haben oder längere Berufserfahrung. Nur jeder Zehnte kann nichts dergleichen vorweisen.

Insgesamt hat Strucken bisher 165 Menschen in sein Fortbildungs- und Vermittlungsprogramm aufgenommen. Drei Viertel der Teilnehmer sind unter 30. 

Oft ist es ein Problem, die nötigen Unterlagen zu besorgen - Schul- und Studienabschlüsse zum Beispiel - denn nicht jeder, der sein Land Hals über Kopf verlassen hat, hat die Zeit gefunden, sie zusammenzusuchen. "Viele lassen sich die Papiere dann noch aus der Heimat von Verwandten nachschicken." Die Berufe, aus denen sie kommen, sind ganz unterschiedlich: Elektrotechniker, Juristen und Mediziner sind dabei, Krankenpfleger, Automechaniker - und sogar ein Imker.

Das A und O ist die Sprache. "Wir brauchen ganz dringend noch mehr Kurse, und dies zeitnah", meint Strucken. Mentalitäts- oder Kulturunterschiede sind dagegen kaum ein Thema. "Diese Menschen zeichnen sich aus durch Strebsamkeit, durch Freundlichkeit und auch durch soziale Fähigkeiten, denn die meisten kommen aus Großfamilien, in denen sie es gewohnt waren, mit vielen Menschen umzugehen." 

Bis sie die Sprache halbwegs fließend gelernt haben und sich im deutschen Alltag zurechtfinden, vergeht allerdings Zeit: "Es dauert länger als wir anfangs gedacht haben", räumt Strucken ein. "18 bis 24 Monate sind ein realistisches Ziel." Das ist auch der Grund dafür, warum er nach einem Jahr erst eine Handvoll von Arbeitssuchenden wirklich vermittelt hat.

Der junge Ägypter steht auf, seine Beratung ist für heute abgeschlossen. Aber er hat da noch ein Anliegen: Draußen wartet noch ein Syrer, der auch gerne arbeiten würde. "Spricht er Englisch?" - "Nein, nur Arabisch." "Oh", sagt Strucken. "Na gut. Wir finden schon eine Möglichkeit, wie wir uns verständigen. Wo steckt er denn?"